Arbeitsgelegenheiten PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Dienstag, 09. September 2008 um 09:19

 "Vom Krankenhaus zum Gesundheitshaus"

(IZB/Netzwerk Arbeit e.V. Lörrach)

 

"Vom Krankenhaus zum Gesundheitshaus" ist unser AGH Projekt in Lörrach, das rund um das St. Elisabethenkrankenhaus geplant und zum Teil schon realisiert wurde. Die Initiatoren gehen von der Erkenntnis aus, dass "Arbeit und Tätigsein...eine Grundlage (bilden) für eine Qualifizierung und Trainierung der Beschäftigungsfähigkeit, eine Möglichkeit also, um sich wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren". Dazu werden neben der Tätigkeit in der Arbeitsgelegenheit Themen erarbeitet, die Wege aus verschiedenen sozialen und materiellen Notlagen aufzeigen. Die Arbeitsgelegenheit vermittelt so soziale Zusammenhänge, fördert das Selbstbewusstsein durch geleistete sinnvolle Tätigkeit und führt damit zu einer persönlichen Stabilisierung und zu wachsender Kommunikationsfähigkeit. Gleichwohl garantieren die Arbeitsgelegenheiten nicht den Übergang in den regulären Arbeitsmarkt, denn Beschäftigungen im Gemeinwesen können nicht den fehlenden Arbeitsplatz ersetzen, aber sie eröffnen die Möglichkeit, die Beschäftigungsfähigkeit zu halten und zu erweitern.

Das Projekt hat zwei Schwerpunkte. Der "Jobgarten" (eine Umgestaltung eines Brachgeländes, welches aus Schutt bestand) wurde zu einem Garten der Erholung, einem Klostergarten, umgebaut, der zunächst für das Pflegepersonal, insbesondere die dort tätigen Nonnen, aber auch für Patienten und für Bürger der Stadt Lörrach zugänglich ist. Außerdem wird der Innenhof des Krankenhauses umgestaltet.  Er erhält eine Spielfläche für Kinder und ein Pflanzenlabyrinth, beides Projekte, die neben ihrer bloßen Gartenfunktion auch eine soziale Bedeutung haben und eine Beziehung zu Krankheit und Gesundheit herstellen wollen.

Das Gartenprojekt ist so angelegt, dass es den Einsatz unterschiedlicher Gruppen von Langzeitarbeitslosen ermöglicht. Die Initiatoren achten darauf, dass auch Ältere und Menschen mit körperlichen und psychischen Behinderungen mitarbeiten können. Eine lange Liste von unterschiedlichen Tätigkeiten, die den "Jobgarten" entstehen lassen, veranschaulicht diese Ziele. Das geht von Handhabung und Wartung gebräuchlicher Maschinen und Geräte über Säen, Bepflanzungen von Beeten, standortgerechte Pflege bis hin zum Umgang im Umfeld mit verschiedenen Interessengruppen (Nonnen, Verwaltung, Architekten, Anwohner).

Neben den Tätigkeiten und den Fertigkeiten, die sich aus der Arbeitsgelegenheit selbst ergeben, werden weitere Inhalte vermittelt, die auf die Verbesserung der Integrationsmöglichkeiten in den ersten Arbeitsmarkt zielen. Das geht von "Einführung in die EDV" über "Kommunikation und Konfliktbewältigung" bis zu "Bewerbungstraining" und "Internet-Recherche zur Arbeitsplatzsuche".

Aus der Einsicht, dass ein Beschäftigungsprojekt ohne sozialpädagogische Betreuung und gezielte fachliche Anleitung lediglich dem Erhalt der Arbeitskraft dient, werden hier die Teilnehmer auch sozialpädagogisch betreut. Das zielt auf die Erhöhung der Sozialkompetenz, die Unterstätzung bei der Arbeitssuche und schließlich auf die Erarbeitung beruflicher Perspektiven zur dauerhaften beruflichen Integration.

Der zweite Schwerpunkt umfasst pflegenahe Arbeitsgelegenheiten in der Klinik selbst. Dort gibt es einen "Patientenservice", der es ermöglicht, dass jemand älteren oder gebrechlichen Patienten zur Verfügung steht und sie ggf. mit Handreichungen unterstützt, bspw. beim Essen, wo es häufig vorkommt, dass alte Menschen sehr viel Zeit brauchen, die aber das Personal selbst nicht hat. Weiterhin gibt es den Patientenbegleitdienst, der bei Besorgungen hilft. Dabei wird sorgfältig auf die Selbständigkeit der Patienten geachtet: sie sollen nicht überfürsorglich behandelt und entmündigt, sondern nur dort unterstützt werden, wo es sinnvoll erscheint.

Erfahrungen aus der Arbeit zeigen, das hier ein sehr niederschwelliges Angebot geschaffen wurde und es sich um rein zusätzliche Arbeiten handelt, die von keiner anderen Seite vergütet werden. Viele Menschen, die Probleme mit dem ALG II haben, sind mittlerweile in diesem Projekt gewesen und konnten dies als Sprungbrett für eine weitere Entwicklung sehen.

Das dieses Projekt erst möglich wurde, verdanken wir der GAL (Grundsicherung für Arbeitssuchende im Landkreis Lörrach), einem Zusammenschluss aus Agentur für Arbeit Lörrach und dem Landratsamt Lörrach.

Als wichtige Mitinitiatorin des Klostergartens hat uns Heike Korus von Sambuca (www.sambuca-netzwerk.de) zu Beginn der Arbeit intensiv unterstützt und begleitet.

Unsere biologischen Pflanzen haben wir bezogen von:

Gärtnerei Artemisia in Sexau (www.artemisiagarten.de)

Rosenschule Ruf (www.rosenschule.de)

andere Kräuter auch vom Hof Berggarten (www.hof-berggarten.de)

Bedanken können wir uns nur für die ausgezeichnete Zusammenarbeit, die unter dem damaligen Verwaltungsdirektor Seidler, Schwester Anamunda und Leiter der Werkstatt Herr Büttner vom St. Elisabethen Krankenhaus Lörrach entstanden ist und nun vom Verwaltungsleiter Heuser, Schwester Anamunda und Herr Büttner weitergeführt wird.

Direkt vor Ort arbeiten wir auch temporär zusammen mit Blumen Schmitt Lörrach, Gartenbau Scalzillo und vielen anderen Einzelakteuren wie Fa. Grimmeisen.

Unsere wunderschönen Steine beziehen wir aus einem Steinbruch, wo uns ein wichtiger und hilfreicher Ansprechpartner Herr Hirz aus Steinen ist.

Aktualisiert ( Montag, 15. September 2008 um 11:55 )