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Geschrieben von: Administrator   
Sonntag, 24. August 2008 um 14:36

Arbeitslosigkeit nicht nur ein Problem der Qualifizierung

 

Institut für zukunftsorientierte Bildung bietet Einzelberatung und zweimonatige berufskundliche Informationskurse an

LÖRRACH (BZ): Von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet, arbeitet das Institut für zukunftsorientierte Bildung/Netzwerk Arbeit e.V. seit 1997 in den Räumen des ehemaligen Suchard-Gebäudes in der Brombacher Straße 3 in Lörrach. Nicht zufällig ist das Institut in unmittelbarer Nachbarschaft zum Amt mit dem roten A angesiedelt, denn die Menschen, die hier betreut und gefördert werden, kommen zumeist auf Hinweise der Arbeitsamtsberater ins IZB.

 

Dabei ist das Aufgabenfeld dieser gemeinnützigen Bildungseinrichtung, deren Anfänge bis ins Jahr 1988 zurückreichen, weit komplexer, als man aufgrund der engen Anbindung an die Arbeitsbehörde vermuten könnte.

Der Mensch steht im Mittelpunkt

So beschränkt sich das Institut in der Brombacher Straße in der Kreisstadt keineswegs auf eine möglichst kurzfristige und geradlinige Vermittlung von Langzeitarbeitslosen, Rehabilitanden und Schwerbehinderten in den Arbeitsmarkt. Vielmehr, so die Leiterin Elke Dettmann im Gespräch mit der Badischen Zeitung, beinhaltet das auf Vernetzung und Ganzheitlichkeit aufbauende Konzept (Motto: "Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt") die persönliche fachliche und betriebliche Betreuung derjenigen, die aufgrund vielfältiger Ursachen in einer sich grundlegend und stetig wandelnden Arbeitsgesellschaft Orientierungs- und Integrationsschwierigkeiten haben.

Schon lange, so die Arbeitsexpertin Elke Dettmann, habe man erkannt, daß Langzeitarbeitslosigkeit nicht ausschließlich ein Problem der Qualifikation ist, sondern auch eine psychische und mentale Komponente habe, zum Beispiel in Form resignativer Tendenzen oder gar von depressiven Erkrankungen.

Die Analyse der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und die Entwicklung überregionaler, zukunftsorientierter Szenarien steht gleichwertig neben der konkreten Betreuung einzelner Arbeitsloser vor Ort.

Entsprechend vielseitig stellt sich das Angebot des rund zehnköpfigen, teils nebenamtlich tätigen Teams aus Psychologen, Pädagogen und Fachleuten für Technik, EDV, Betriebswirtschaft, Steuer-, Verwaltungs- und Sozialrecht dar. Es reicht von der Einzelberatung über zweimonatige, berufskundliche Informationskurse bis hin zu zehn- und zwölfmonatigen Seminaren. Die Kursgebühren trägt in der Regel das Arbeitsamt. Die Zielsetzung des Vereins berücksichtigt die Bedürfnisse derjenigen, die mit sehr unterschiedlichen Interessen und Voraussetzungen in die Brombacher Straße kommen - vom 20jährigen ungelernten türkischen Jugendlichen bis hin zum 60jährigen Akademiker. Steht bei den einen die Entwicklung der persönlichen Entscheidungsfähigkeit im Vordergrund, so geht es bei anderen um die Frage der beruflichen Weiterqualifizierung, das Ausloten von Umschulungsmöglichkeiten, die Hilfestellung bei Existenzgründungen und Betriebspraktika oder die Vermittlung individueller Arbeitstechniken - das Aufgabenfeld ist umfassend.

Standards wie Bewerbungstraining, die Analyse von Stellenanzeigen, EDV-Training und die Aufarbeitung grundlegenden Schulwissens stehen ebenso auf dem Programm der zielgruppenorientierten Kurse wie die Verwirklichung ungewöhnlicher Zukunftsvorstellungen oder die Entwicklung alternativer Lebensentwürfe. "Keine Wünsche sind so exotisch, als daß wir sie nicht auf ihre Verwirklichung hin überprüfen", so Elke Dettmann. Selbst potentiellen Auswanderern steht man mit Rat und Tat zur Seite.

Im Zeitalter der Ablösung linearer Arbeitsbiographien durch räumlich und zeitlich wechselnde Beschäftigungs- und Freizeitphasen will man den Menschen Mut machen, neue Wege zu gehen und ungewöhnliche Lösungen ins Auge zu fassen. Immerhin: Rund 50 Prozent der Teilnehmer können am Ende des jeweiligen Kurses in eine Arbeitsstelle vermittelt werden.

Ungebrochener Optimismus

Gleichwohl verschont diese Erfolgsquote die Institutsleiterin nicht von der Erkenntnis, daß es angesichts des enger werdenden Stellenmarkts einerseits und individueller Handicaps auf Seiten der Arbeitssuchenden ein "Sockelproblem und - damit verbunden - einen Drehtüreffekt" gibt. Dennoch: Hinter den Schwingtüren des Institutes für zukunftsorientierte Bildung/Netzwerk Arbeit e.V. herrscht ungebrochener Optimismus, der sich einem Zitat von Marie Joël auf dem gerade in Druck gegangenen Faltblatt Luft macht:

"Der ganze Wert eines Menschen liegt in seinem Suchen, seiner Berufung, und in seiner Sehnsucht"

Badische Zeitung